Naturallianz und Mitproduktivität der Natur

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Naturallianz und Mitproduktivität der Natur

Apr 1, 2022 | Events

Ernst Blochs Naturphilosophie – ein Beitrag zur Bewältigung der globalen Umwelt- und Klimakrise?

(Ernst Blochs Philosophie im Dialog, Reihe 1)

13./14.05.2022 im Ernst-Bloch-Zentrum (Walzmühlstr. 63, 67061 Ludwigshafen)

Ort

Die Tagung ist dem Gedenken an den verstorbenen Burghart Schmidt gewidmet.

Beschreibung

Die im Gang befindliche globale Umwelt- und Klimakrise kann als Folge eines bestimmten, durch die Entwicklung und Anwendung der modernen Naturwissenschaften entstandenen Verhältnisses von Mensch und Natur gedeutet werden, nach dem dieser in jene gleich „einer fremden Besatzungsarmee“ eindringt und die Rolle als „Ausbeuter“ und „Tierbändiger“ gegenüber der Natur einnimmt. Die Umkehrung der Klimakrise und der damit verbundenen Umweltzerstörung wird entsprechend einen Wandel des Denkens des Menschen über seine innere und die äußere Natur zur Voraussetzung haben müssen. 

Die nicht mehr zu übersehenden Folgen der Umweltzerstörung erfordern „ein Bewusstsein dafür, dass menschengerechtes und naturverträgliches Verhalten zusammen gehören“. Dazu hat Ernst Bloch bereits früh, in den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, in seinem Prinzip Hoffnung Ansätze einer „ökologisch orientierten Naturphilosophie“ mit den Stichworten „Naturallianz“ und „Mitproduktivität der Natur“ im Sinne einer „friedlichen Synergie“ von Mensch und Natur antizipierend entwickelt. Dies beinhaltet auch eine andere ästhetische Sichtweise und Praxis. Für Bloch ist der Mensch Teil der Natur und nicht nur sein fremdes Gegenüber, also lediglich Objekt der Verwertung durch das kapitalistische Betriebssystem. Mensch und Natur sind gleich ursprünglich und keine Gegensätze. Dies ist eine Frage praktischer Philosophie, einer veränderten und verändernden, ethisch motivierten politischen und ästhetischen Praxis. 

Deshalb wollen wir zunächst mit dieser dem allgemeinen, kulturell interessierten Publikum frei zugänglichen Tagung die verschiedenen ethischen, ästhetisch-literarischen und -musikalischen, politischen sowie politisch-technischen Aspekte der Bloch’schen Naturphilosophie ausleuchten und der Frage nachgehen, was aktuell das Konzept der Naturallianz bedeuten kann (siehe untenstehendes Programm). Des Weiteren werden wir mit dem neu kreierten Format Philosophie im Dialog mit den jungen Aktivist*innen der Klimabewegung Fridays for Future in einem offenen Diskussionsforum erörtern, wie wir in ethischer, ästhetischer und poltisch-normativer Hinsicht die Perspektive für ein neues Verhältnis von Mensch und Natur gewinnen können, um der Umweltzerstörung und der Klimakrise, sprich: der Zerstörung der Erde und damit unserer Lebensgrundlagen, erfolgreich begegnen zu können.

Programm

10.30 Uhr

Eröffnung und Begrüßung

Geleitwort der Gastgeberin, Prof. Dr. Immacolata Amodeo (Direktorin des EBZ, Ludwigshafen)

Grußwort der Präsidentin der EBG, Prof. Dr. Francesca Vidal (Landau)

Einführung in die Tagung, Werner Wild, (Tübingen)

13.05.2022 (1. Tag)

11.00 Uhr

Patrizia Cipolletta (Rom):

Auf die Dinge hören. Blochs erste Annäherung an eine Reise jenseits der Manipulation der Natur.

11.45 Uhr

Rainer E. Zimmermann (Berlin):

Natursubjektivität und Naturallianz. Eine systemtheoretische Annäherung.

12.30 Uhr – 14.30 Mittagspause

14.30 Uhr

Peter Zudeick (Köln):

Natur mit Zukunft in der Vergangenheit: Der Bogen Lukrez – Bacon – Bloch.

15.15 Uhr

Gérard Raulet (Paris):

Objektiv-reale Hermeneutik. Zum Organon der Naturallianz.

16.00 – 16.15 Pause

16.15 Uhr

Beat Dietschy (Bern):

Die Erde anders. Naturallianz aus interkultureller Perspektive.

17.00 Uhr

Henning Tegtmeyer (Leuven):

Ernst Bloch zwischen Marxismus und Naturallianz.

17.45 – 18.00 Uhr

Zusammenfassende Gedanken zum ersten Tag

19.30 – 21.00 Uhr

Leonor Quinteros Ochoa (Iquique/Münster) – Lesung aus ihrem Buch Exilkind – Briefe und Erinnerungen aus Chile und Deutschland.

14. 5. 2022 (2. Tag)

10.00 Uhr

Guelfo Carbone (Rom):

Von der Zukunft abgetrennt. Der Geist der Utopie einhundert Jahre später.

10.45 Uhr

Micaela Latini (Varese-Como):

Naturbilder: Blochs Ästhetik im Spannungsfeld von Öko-Denken und reiner Kunst.

11.30 – 11.45 Uhr Pause

11.45 Uhr

Manuel Theophil (Karlsruhe):

Realallegorie und Realsymbol als Weg- und Zielbestimmung der Utopie.

12.30 – 14.00 Uhr Mittagspause

14.00 Uhr

Reinke Schwinning (Siegen):

Vom Organischen höchster Ordnung. Musik und Natur bei Ernst Bloch.

14.45 Uhr

Paul Stephan (Hannover/Leipzig):

Den Liberalismus überschreiten – eine demokratische Biopolitik wagen. Überlegungen am Leitfaden von Blochs humanistischer Philosophie.

15.30 Uhr

Johan Siebers (London):

Zwischen Hoffnung und Verantwortung. Extinction Rebellion als konkrete Utopie.

16.15 Uhr

Philosophie im Dialog – Offenes Diskussionsforum:

Der weltweite Protest gegen die Klimakatastrophe mit Clara Reis und weiteren Schülern*innen von Fridays for Future.

17.30 Uhr
Schlusswort(e)

18.00 Uhr
Ende der Tagung

Mit musikalischen Interventionen, gespielt von

Anne Monika Sommer-Bloch (Violine):

Antizipierende Naturbilder in Ton gesetzt und kommentiert.

Organisatorische Hinweise

Einlass ist an beiden Tagen ab 9.30 Uhr.

Die Teilnahme an der Tagung ist kostenfrei. Eine Voranmeldung ist – aufgrund der Corona-Pandemie – ausdrücklich erwünscht.

Heiß- und Kaltgetränke werden für Teilnehmer in den Pausen zum Eigenkostenbeitrag gereicht. Der Eigenbeitrag wird jeweils vor Veranstaltungsbeginn entrichtet.

Durch eine jeweils längere Mittagspause wird es an beiden Tagen ermöglicht, dass sich die Teilnehmer in der naheliegenden Innenstadt selbst verpflegen können. Die Förderrichtlinien ermöglichen es nicht, dass der Veranstalter eine Verpflegung anbieten kann. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Ihre Anmeldung oder Fragen an den Veranstalter können Sie vorab auf dem Postweg an folgende Adresse richten:

Projekt „Naturallianz …“ der EBG, c/o Werner Wild, Fritz-Bauer-Str. 64, 72074 Tübingen. 

Bei Angabe einer Mailadresse durch den/die Anfragende(n) erhalten Sie eine Antwort umgehend per Mail.