Buchbesprechung: Resonanztheorie der Weltbeziehungen

Blochs „Heimat“, als das, was allen in die Kindheit scheint, erfährt in Harmut Rosas neuem Opus Magnum „Resonanz“ einen interpretatorischen Richtungswechsel: „Die Heimat scheint uns in die Kindheit und deshalb nehmen wir als Erwachsene (auf der Suche nach dem Land, in dem noch keiner war) diesen Schein aus der Kindheit wahr.“ Insofern ist Heimat ein Paradigma für die Weltbeziehung der „Resonanz“, grob gesagt, eine Beziehung zur Welt, die als Geben und Nehmen zwischen Subjekt und Objekt vibriert, dem Leben so erst seinen je spezifischen Eigenwert verleiht und die Welt zum Singen bringt. Rosa beansprucht mit der Resonanztheorie „den Anspruch, beides leisten können: Angst und Hoffnung der Moderne mit den kategorialen Mitteln einer Soziologie der Weltbeziehung gleichermaßen zu begründen und zu verorten.“ (S. 739). Jeder Resonanzerfahrung, so Rosa weiter, wohne „ein ‚überschießendes‘ Moment inne, das eine andere Form der Weltbeziehung als Möglichkeit aufscheinen lässt“. Es ist kaum zu übersehen, dass hier eine Verbindung zu Blochs neuer Philosophie des Neuen und der in ihr aktualisierten Erfahrung des Utopischen hergestellt wird, die womöglich ihrerseits als Resonanzbeziehung beschrieben werden könnte: als eine Welt, in der nur Weniges verrückt werden muss, damit sie wieder singt, wie Blochs Rabbi aus den Spuren sagen könnte.

Ulrich Müller-Schöll

Hartmut Rosa: Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung, Berlin: Suhrkamp 2016, € 34,95, erscheint im März.