EBG Newsletter 2015

bloch

Newsletter der Internationalen Ernst-Bloch-Gesellschaft 2015

1. Neuer Vorstand gewählt

Im Rahmen der letzten Mitgliederversammlung der Internationalen Ernst Bloch Gesellschaft, welche am 17.10.2014 in Ludwigshafen stattfand, wurde einstimmig ein neuer Vorstand gewählt:

o Priv.-Doz. Dr. Francesca Vidal (Präsidentin) o Dr. Johan Siebers (Vizepräsident)
o Werner Wild (Vizepräsident)
o Reinhard Werk (Schatzmeister)
o Julia Zilles (Mitglied des Vorstandes)

2. Das neue Bloch-Jahrbuch 2014/15 ist erschienen978-3-8260-5593-5

Das Bloch-Jahrbuch 2014/15 mit dem Titel „Der Traum des Unbedingten. Erörterungen im Anschluss an Ernst Bloch“ ist im Verlag Königshausen & Neumann erschienen. Das Jahrbuch kann über den Verlag bezogen werden:

https://www.verlag-koenigshausen- neumann.de/product_info.php/info/p8050_Der-Traum-des- Unbedingten–Eroerterungen-im-Anschluss-an-Ernst-Bloch– Jahrbuch-der-Ernst-Bloch-Gesellschaft-2014-15-.html

3. Homepage und Mitgliedsantrag

Leider gibt es nach wie vor technische Probleme mit der Homepage der Ernst-Bloch- Gesellschaft. Es können derzeit keine Änderungen vorgenommen werden, daher sind die Informationen zum Teil veraltet. Wir bitten, dies zu entschuldigen und werden die Probleme schnellstmöglich beheben. Vorerst kann daher auch lediglich die Version des Mitgliedsantrages im Anhang dieses Newsletters verwendet werden.

4. Tagungsankündigung

In Kooperation mit der Ernst-Bloch-Assoziation (EBA) und dem Ernst-Bloch-Zentrum (EBZ) findet vom 6.-8. November 2015 eine Tagung unter dem Titel „Dunkel des gelebten Augenblicks“ im EBZ in Ludwigshafen statt.

Folgende Referenten haben bereits zugesagt: Peter Thompson, Manfred Klein, Mohamed Turki, Doris Zeilinger, Lukas Hartmann, Heiko Hartmann, Julia Zilles, Rainer E. Zimmermann, Klaus Robra und Heiko Schwarzbrugger.

Wir laden bereits heute alle Interessierten ganz herzlich zu dieser Veranstaltung ein.

5. Weitere Veranstaltungshinweise

  •   Unter dem Arbeitstitel „Die Blochs und die Balls im Schweizer Exil (1917 – 1919)“ befindet sich derzeit eine Matinée in Vorbereitung. Diese Veranstaltung wird im Herbst in Tübingen stattfinden. Einladung und Programm werden im Newsletter veröffentlicht.
  •   „Zeitzeugen“
    Eine ganze Reihe von „Zeitzeugen“ aus den Tübinger Jahren Ernst Blochs hat sich zusammengefunden und diskutiert derzeit die Gestaltung einer Veranstaltung mit dem gleichnamigen Titel.

  Die Arbeit an einem „Kommentar zum Prinzip Hoffnung“ nimmt Gestalt an. Die Autoren treffen sich zu einer Tagung im Frühjahr in der Pfalz.

6. Literaturhinweis

„Wider den Wachstumswahn. Degrowth als konkrete Utopie“

In den „Blättern für deutsche und internationale Politik 2/2012“ ist ein lesenswerter und interessanter Aufsatz zur Aktualität der „konkreten Utopie“ von Ernst Bloch erschienen. Eindrucksvoll wird eine Alternative zu der weder ökologisch noch sozial verantwortlich zu rechtfertigenden ökonomischen, rein quantitativen Wachstumsstrategie des globalen Kapitalismus skizziert. „Degrowth“ als politische Leitidee einer Vermittlungsstrategie zwischen den sozialen Gruppen der „Décroissance- und Degrowth-Bewegungen“, die unter dem Motto „Gut leben“ das Ziel einer solidarischen, humanen, gerechten und demokratischen Postwachstumsgesellschaft anstreben. Blochs „militanter Optimismus“ wird hier zur Methode um immer neue Erfahrungsräume der sozialen Auseinandersetzung aufzuschließen, so dass mehr und mehr die „konkrete Utopie“ vermittelbare und einsichtige Gestalt annehmen kann: „mit militantem Optimismus zur konkreten Utopie.“ Autorin des Aufsatzes ist die Umweltphilosophin Barbara Muraca, die an der Oregon State University lehrt. Bereits im vergangenen Jahr hat sie ein Buch zu Geschichte der Décroissance-Bewegung veröffentlicht: „Gut Leben. Eine Gesellschaft jenseits des Wachstums“ (Berlin 2014). (Text: Werner Wild)

7. „Infamie“ von Michael Löwy

so der anklagende Text, den der Philosoph Michael Löwy gleich nach dem infamen Anschlag auf die Redaktion von „Charly Hebdo“ und den jüdischen Supermarkt in Paris verfasst und in Frankreich veröffentlicht hat. In wenigen, leidenschaftlichen – auch persönlichen -, treffenden Worten wird beschrieben was mit dem Anschlag getroffen werden soll und wo die Konfliktlinie in der Welt verläuft, nämlich noch immer: zwischen dem globalen Kapitalismus und der Menschlichkeit. Dies ist auch die Sichtweise der EBG.

Anne Sommer-Bloch hat den Text freundlicherweise für den Newsletter übersetzt. Michael Löwy hat ihre Übersetzung gegengelesen und zur Veröffentlichung exklusiv für den Newsletter der EBG freigegeben:

Infam!

Infam – das einzige Wort, das auszudrücken vermag, was wir angesichts der Morde an unseren Freunden von Charlie Hebdo empfinden. Das Verbrechen ist umso abscheulicher, als es doch Leute von Links waren, die sich in dieser politisch engagierten Künstlergruppe zusammengefunden hatten: Antirassisten, Antifaschisten, Antikolonialisten, Sympathisanten des Kommunismus und des Anarchismus. Vor nicht allzu langer Zeit noch wirkten sie an einem Gedenkbuch zu Ehren hunderter Algerier mit, die am 17. Oktober 1961 von der französischen Polizei in Paris ermordet worden waren. Die einzige Waffe der Zeitschrift war ihre Schreibfeder – und ihr Humor. Sie duckte vor niemandem und nahm kein Blatt vor den Mund, auch nicht vor der Religion – ganz im Geist der antiklerikalen Tradition der französischen Linken. Die letzte Ausgabe der Zeitung schließlich zeigte als Deckblatt eine Karikatur auf die Islamophobie Houllebecks, und ein paar Seiten weiter stieß man auf Karikaturen gegen den Katholizismus. Erinnern wir uns: Charb (Stéphane Charbonnier), der Chefredakteur, war ein hochsensibler revolutionärer Zeichner, der das Buch Marx, mode d’emploi (Marx, Gebrauchsanleitung) von Daniel Bensaid (marxistischer Philosoph) illustriert hat. Er war zudem unter den Gästen der Soirée zu Ehren Bensaids, ein Anlass, zu dem er einige zärtlich-ironische Skizzen entwarf, die daraufhin entsprechend rasch Verbreitung fanden.

Jener Akt fanatischer Intoleranz der Djihaddisten ist ein Verbrechen gegen die Freiheit der Presse, die Freiheit des Denkens, die künstlerische Freiheit. Es ist aber auch ein Verbrechen gegen den Islam, gegen die Muslime in Frankreich, die nun Gefahr laufen, die Rechnung für dieses infame Verbrechen zu zahlen, für das sie keinerlei Verantwortung tragen.

Die Welle der Islamophobie, die in Frankreich seit geraumer Zeit mehr und mehr anwächst – unterstützt durch rassistisch gesinnte Journalisten wie Eric Zemmour, oder „allgemein anerkannte“ Schriftsteller wie Houellebeck – verwechselt Muslime mit Fundamentalisten, und Fundamentalisten mit Djihaddisten – ein heimtückisches, manipulatorisches Amalgam! Dieses schädliche Klima begünstigt rassistische Strömungen aller Art, wie die der „Identitaires“ (Mitglieder der rechtsextremen Splitterpartei „Bloc identitaire“ ) und der Faschisten, aber vor allem das „Unternehmen“ der Familie Le Pen, das mit Rassismus und Islamophobie seinen Profit macht. Sie alle werden sich das Verbrechen der Djihaddisten ganz gewiss zu Nutze machen, um ihr Gift zu versprühen.

Und jeder von ihnen wird auf seine Weise versuchen, ein Klima des „Kampfes der Kulturen“ zu etablieren, gemäß der unheilvollen These Samuel Huntingtons (eines der „Architekten“ des Vietnamkrieges). Es wird höchste Zeit sich daran zu erinnern, dass der wahre Konflikt unserer Epoche nicht der zwischen „Islam“ und „Westlicher Welt“ ist, sondern der zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten, zwischen Unterdrückern und Unterdrückten, und, in letzter Konsequenz, der zwischen den Interessen des Kapitalismus und denen der Menschlichkeit.

Michael Löwy

8. Nachtrag

Der Nachruf auf den verstorbenen Iring Fetscher, veröffentlicht in der letzten Ausgabe des Newsletters, wurde von unserem Vorstandsmitglied Werner Wild verfasst.

Dieser Newsletter ist auch als digitaler Download verfügbar: EBG Newsletter 2015_1